BELANO Medical - The Micro­biotics Company

Presse

Neue Lebensmittel-Verpackungen aus Pilzen und Algen

Prof. Christine Lang plädiert beim BDI für Ausbau einer Kreis­lauf­wirt­schaft

Berlin, 24. Oktober 2020 – Um langfristig biolo­gische Ressourcen zu schützen und Erdöl-basierte Produkte durch umwelt­ge­rechte nachhaltige Alter­na­tiven zu ersetzen, müssen Politik und Industrie stärker zusam­men­wirken. Das schreibt die frühere Vorsit­zende des Bioöko­no­mie­rates der Bundes­re­gierung, Prof. Dr. Christine Lang, Vorstand der BELANO medical AG, in einem Beitrag für den Bundes­verband der Deutschen Industrie (BDI). Sie skizziert anhand konkreter Beispiele, wie Gesell­schaft, Industrie und Politik gemeinsam den Wandel zu mehr Nachhal­tigkeit voran­treiben können.

Dazu gehört die Nutzung natür­licher Quellen wie Pilze. Diese können als Alter­native zu Styropor zu Verpa­ckungen für Lebens­mittel, Take-away oder bei Liefer­diensten verar­beitet werden. „Pilzkul­turen bilden durch ihr Zellge­flecht ein festes und kompaktes Material, das fast jede vorge­gebene Form ausfüllt und damit direkt zum gewünschten Endprodukt heran­wächst“, schreibt Prof. Lang. Die Behält­nisse können keimfrei aufbe­reitet werden. Während tradi­tio­nelles Styropor ein Erdöl-Produkt und biolo­gisch nicht abbaubar ist, könnten Pilz-Mycelien nach Gebrauch als Rohstoff für ein nächstes Produkt dienen. Außerdem seien sie „im Sinne eines Rohstoff­kreis­laufs abbaubar“.

Verpa­ckungen für Lebens­mittel könne man auch aus Chitosan, einer Substanz in Insekten und Krusten­tieren, gewinnen. Daraus lässt sich aktuellen Forschungen zufolge zum Beispiel biolo­gisch abbaubare Mehrschicht­folie gewinnen. Sie ist „für hochwertige Verpa­ckungen mit Barrie­re­wirkung geeignet, da sie antimi­kro­bielle Eigen­schaften und eine hohe mecha­nische Stabi­lität aufweisen“, heißt es in dem Beitrag.

Trans­parenz für Verbraucher: Wahre Kosten für die Umwelt abbilden

Die Natur kenne viele Wege für Zirku­la­rität und Energie­ef­fi­zienz, schreibt Prof. Lang weiter. Um den Wandel zu mehr Nachhal­tigkeit voran­zu­treiben, brauche es aber „politische Schritte und mehr Trans­parenz für Verbraucher, um besser erkennen zu können, was wirklich nachhaltig ist“. In diesem Zusam­menhang sei es unter anderem wichtig, „einen realis­tisch kalku­lierten CO2-Preis von Produkten“ und damit „die wahren Kosten für Umwelt und Gesell­schaft abzubilden“.

Diese Neu-Ausrichtung werde in vielen Branchen schon ansatz­weise umgesetzt. So sei in der Automo­bil­branche der Einsatz von Carbon-Bauteilen „ein bedeu­tender erster Schritt hin zu einem ressour­cen­ef­fi­zi­enten, weil extrem leichten Automobil-Chassis“. Doch noch bestehen Carbon-Fasern aus Erdöl. Sie sollten möglichst bald aus Pflan­zen­resten herge­stellt werden.

Dafür eigne sich der biolo­gische Stoff Lignin, der als preis­günstige und vielseitige Alter­native zu Carbon sowie als Teil von Verbund­ma­te­rialien verwendet werden kann. Lignin sorgt für die Stabi­lität von Pflanzen beim Höhen­wachstum, ist extrem tempe­ra­tur­be­ständig und reißfest – landet aber bisher als Rest der Papier­her­stellung im Abfall.

Algen: Das mögliche Ende von Plastik­folie und Plastik­flasche

Alter­na­tiven werden auch für den klassi­schen Handel erforscht. So können herkömm­liche Plastik­folien um Gemüse, Obst und Fleisch sowie Take-away-Becher bald der Vergan­genheit angehören. „Ingenieure und Biologen arbeiten zusammen, um Algen als Ausgangs­stoff für Lebens­mit­tel­um­hül­lungen aufzu­be­reiten“, nennt Prof. Lang ein Beispiel. Dabei werden aus Algen dünne Folien, die sowohl stabil als auch geruchs- und geschmacks­neutral sind und nach der Verwendung entweder mitge­gessen oder kompos­tiert werden. „Das könnte sogar das Ende der Plastik-Wasser­fla­schen sein – wenn die Entwicklung weiter­ver­folgt wird.“

Damit das so kommt, müsse neben Politik und Verbrau­chern auch die Industrie ihren Teil leisten. Denn oft sei die Herstellung bio-basierter Rohstoffe heute noch teurer als die von Erdöl-basierten Materialien. Um zeitnah Ressourcen-schonende und zugleich günstige Verfahren zu entwi­ckeln, brauche es Mut und indus­tri­elles Exper­ten­wissen. „Erst wenn Industrie, Politik und Gesell­schaft gemeinsam diese Schritte gehen, profi­tieren davon Umwelt, Wirtschaft und jeder Einzelne“, heißt es abschließend.

Christine Lang ist Profes­sorin für Mikro­bio­logie an der TU Berlin und seit 2019 Vorstand der BELANO medical AG. Sie ist außerdem Präsi­dentin der Verei­nigung für Allge­meine und Angewandte Mikro­bio­logie (VAAM) und Co-Vorsit­zende der Arbeits­gruppe Indus­trielle Bioöko­nomie beim Branche­verband „BIO Deutschland“, der im BDI organi­siert ist. Auf der Website des BDI sind unter dem Titel „Circlenomics“ mehrere Beiträge von Experten erschienen, die nachhaltige Produk­ti­ons­weisen und die Nutzung von Abfällen als Ressource im Sinne einer Kreis­lauf­wirt­schaft aufzeigen.

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